Mer fiere ohne Gängelband

Alles begann mit einer Karnevalsfete im Elternhaus von Thomas Geutebrück vor ca. 50 Jahren … Diese muss wirklich gut gewesen sein, denn sie wurde wiederholt und mit jedem Jahr größer. Das jecke Volk traf sich zum Beispiel in einem Unkeler Fachwerkhaus, in einer abrissreifen Villa, später in der Wolkenburg in Rhöndorf, der mittlerweile abgerissenen Trinkhalle des Kurhauses, im „Bäderhaus“, im Weinhaus Steinbach und im Feuerschlösschen. Seit einiger Zeit verwandelt der Circus Comicus das altehrwürdige Bad Honnefer Kurhaus regelmäßig zu den tollen Tagen in eine bunte Clownshochburg.

In den Siebzigerjahren begannen befreundete Familien auch, in den Karnevalszügen der Region mitzugehen. Und fielen auf: Mit Kind und Kegel, Oldtimern, selbstgezimmerten Gefährten wie einem badenden Clown in der Wanne (mit Badeofen!), Konfetti und natürlich dem legendären Clown an der Angel. Die Clowns suchten stets den Kontakt zum Publikum und machten sich und anderen viel Spaß durch ihren unkonventionellen Karneval. Und das ist es, was den Circus Comicus bis heute ausmacht: Spaß an der Freud, echte Jecke, individuelle Kostüme und ein Herz für den Straßenkarneval.

Mit ihrem großen und kreativen Fuhrpark sind die Clowns ein eigener „Zug im Zug“ – und das historische Feuerwehrlöschfahrzeug aus Frankreich der Marke Delahaye, das diesen anführt, ist nicht nur eine echte Rarität, sondern mit Baujahr 1932 auch knapp älter als das älteste Mitglied. Die bunte Truppe begeistert Zuschauer bei den Zügen rund um Bad Honnef, Bonn und Köln. Selbst zum weltberühmten Rosenmontagszug in der Domstadt war sie schon geladen. Einen Blick über den jecken Tellerrand wagten die Clowns einst beim Karneval im Nachbarland Luxemburg.

Im Laufe der Jahre stieg die Zahl der Clowns  immer weiter, im Jahre 1992 wurde aus dem Circus Comicus ein eingetragener Verein mit dato fast 600 Mitgliedern im Alter von 0 bis rund 80 Jahren. Nicht selten ist eine Familie mit gleich drei Generationen vertreten. Über die Hälfte der Mitglieder sind unter 25 – eine Quote, von der manch anderer Verein nur träumen kann. Schon die kleinsten Clowns nehmen an den Zügen teil und werden spätestens beim legendären Kinderfest am Karnevalsfreitag in den Bann des Circus Comicus gezogen. Während dies eine Veranstaltung für alle Honnefer Pänz ist, sind die abendlichen Partys den Vereinsmitgliedern und ihren persönlichen Gästen vorbehalten.

Egal ob bei den Zügen oder den Partys, beim Comicus ist die Kreativität jedes einzelnen gefragt. Da wird genäht, gebastelt und geschminkt oder auch mal im Theaterfundus oder auf Omas Dachboden gegraben. So manches Accessoire stammt aus dem letzten Urlaub, denn es lohnt sich, das ganze Jahr die Augen auf und das „Ornat“ im Blick zu behalten.

Ohnehin ist der Circus Comicus nicht nur an Karneval engagiert mit von der Partie. Die Clowns wurden schon zum Bundeskanzlersommerfest eingeladen und hatten die Ehre, zusammen mit Geert Müller-Gerbes unter Leitung des bekannten Choreographen Daniel Sander 1993 den Bundespresseball zu eröffnen. 1997 gab es zum ersten Mal eine echte „Clowns-Hochzeit“, denn zwei Comicüsse gaben sich im Kostüm das Ja-Wort im Honnefer Rathaus. Auch die Partnerstadt Cadenabbia am Comer See, wo bereits Adenauer seine Urlaube genoss, wurde bereits mehrfach von den Clowns „heimgesucht“; auf dem Nachtmarkt freuten sich die italienischen Freunde über die bunten Rheinländer. Groß und Klein konnten sich schminken lassen und jegliche Sprachbarrieren wurden mit Händen und Füßen überwunden. Ein weiteres Highlight im Namen der Völkerverständigung war die Einladung zur Steubenparade in New York im Jahre 2007. Rund 50 Clowns zeigten auf der Fifth Avenue und im Central Park, das die deutsche Kultur mehr zu bieten hat als Schützenvereine und das Oktoberfest.

Und vielleicht rettet so mancher „Comicus“ ein bisschen Clown-Sein auch in seinen Alltag – denn Spaß an d´r Freud braucht man nicht nur an tollen Tagen.